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Berufe mit Zukunft. Was ist meine Arbeit wert? Drucken E-Mail

18.03.2016: Aktion zum "Equal Pay Day" in Duisburg beim Facharbeitskreis Gleichstellung NiederRhein

Um gemeinsam zum diesjährigen Equal Pay Day ein Zeichen für die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern zu setzen, hatten sich am 9. März im Rathaus der Stadt Duisburg rund 20 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Gleichstellung, Arbeit und Wirtschaft des Facharbeitskreises Gleichstellung der Region NiederRhein mit dem Thema „Equal Pay Day 2016 - Berufe mit Zukunft. Was ist meine Arbeit wert?“ auseinandergesetzt. Angelika Wagner, Geschäftsführerin der DGB-Region Niederrhein, und Jutta Schmitz, Institut Arbeit und Qualifikation (UDE), referierten zum Aktionsthema und führten intensive Diskussionen mit den anwesenden Netzwerkpartnerinnen und -partnern im Facharbeitskreis.

Eingeladen hatte die Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Duisburg - in ihrer Funktion als diesjährige Vorsitzende des Facharbeitskreises Gleichstellung der Region NiederRhein - gemeinsam mit der Regionalagentur NiederRhein.

Fachlicher Diskurs im Facharbeitskreis: "Verdienste von Frauen und Männern"

In der Aktionswoche zum "Equal Pay Day" rückt das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern verstärkt in den Fokus. Nach den aktuellen Meldungen des Statistischen Bundesamtes hat sich das erste Mal seit 2009 im Jahr 2015 der unbereinigte Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland um einen Prozentpunkt verringert (21 Prozent). In Nordrhein-Westfalen lag der Gender Pay Gap in 2015 unverändert bei rund 22 Prozent.

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  Foto: Stadt Duisburg

Berufe mit Zukunft. Was ist meine Arbeit wert?

„Deutliche Verdienstunterschiede bestehen nach wie vor zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern. Der Gender Pay Gap ist im Osten Deutschlands deutlich geringer als im Westen“, so Jutta Schmitz vom Institut Arbeit und Qualifikation (UDE). Einleitend erläuterte sie den Gender Pay Gap, der als Indikator für die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen genutzt wird, aber „nicht für die Angemessenheit der Löhne“. Je nachdem welche Faktoren wie stark gewichtet oder ganz herausrechnet werden, unterscheidet man zwischen dem "bereinigten und unbereinigten Gender Pay Gap" (siehe unten: Info-Box).

„Wenn es um Verdienstunterschiede von Frauen und Männern geht“, sagte Angelika Wagner, Geschäftsführerin der DGB-Region Niederrhein, „so gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa.“ So wies Jutta Schmitz auf eine große Spannbreite des 'Gender Pay Gap' hin. Der Gender Pay Gap in 2014 war je nach Branche sehr unterschiedlich und beispielsweise „die Verdienstunterschiede im Gesundheits- und Sozialwe­sen, wo traditionell Frauen stärker vertreten sind als Männer, mit 25 % relativ hoch“, erläuterte Angelika Wagner, „Trotz der besseren Schulabschlüsse entscheiden sich Mädchen bei ihrer Wahl für eine Berufsausbildung oder ein Studium noch immer überproportional häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer. Mehr als die Hälfte der Mädchen wählt aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System – naturwissenschaftlich-technische Berufsbilder sind nicht darunter. Mädchen und junge Frauen schöpfen ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus. Hier ist ein Umdenken erforderlich“,  betonte Angelika Wagner und forderte aber auch, „eine höhere Wertschätzung für soziale Berufe.“

Experten argumentieren häufig, dass Frauen Männerberufe auswählen sollten – dann würde sich die Verdienstlücke in absehbarer Zeit schließen. „Tatsächlich“, so berichtete Jutta Schmitz, „gibt es Befunde aus Studien und Untersuchungen (2015), dass im Durchschnitt die Löhne sinken, sobald der Anteil von Frauen in einem Berufsstand steigt.“

Gender Pension Gap

Und das hat Folgen: Niedrige Einkommen führen zu niedrigeren Renten, „denn im Laufe eines Berufslebens wächst der Verdienstunterschied an. Daraus resultieren gravierende Konsequenzen für die existenzsichernde Altersvorsorge von Frauen“, so Jutta Schmitz. Nach aktuellen Berichten lag der Gender Pension Gap - der Indikator, der den Unterschied in der Rentenhöhe zwischen Frauen und Männern über das gesamte Erwerbsleben misst - in Deutschland 2011 bei 57 Prozent.

Was kann getan werden?

Die DGB-Regionsvorsitzende Angelika Wagner forderte, die verbindliche Bindung an Tarifverträgen bzw. den Mindestlohn als Lohnuntergrenze zu halten. „Das hilft insbesondere Frauen, weil sie häufig zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen.“ Im Weiteren informierte sie zum Kooperationsprojekt des DGB-Bundesvorstands und des Bundesfamilienministeriums „Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit“, das sich zum Ziel gemacht hat, für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu werben – und damit auch für eine geschlechtergerechte Entgeltpraxis und für faire (Arbeits-)Bedingungen sowie für ihre gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben.

Einen Beitrag zur Ursachenanalyse des „Gender Pay Gap“ soll ein Forschungsprojekt an der Universität Duisburg-Essen leisten, informierte Jutta Schmitz. Hierbei „soll insbesondere der Anteil der Arbeitsbewertung an den Entgeltunterschieden erforscht werden. Damit öffnet sich die Möglichkeit, der gleichen Vergütung von Frauen und Männern bei gleicher und gleichwertiger Arbeit näher zukommen“, sagte Schmitz.

Weitere Themen im Facharbeitskreis

Neben dem  Schwerpunktthema „Verdienste von Frauen und Männern" standen weitere Informationen auf der Agenda der Sitzung unter anderem ‚Aktuelles aus der Landesarbeitspolitik‘, die Fachkräftesicherung, Qualifizierung und Weiterbildung, Frauen und Führungspositionen, Migration und geflüchtete Frauen sowie die Vorstellung der Arbeitsfelder des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Niederrhein.


Downloads und Links zum Thema:

  • Unterschiedliche Gehälter von Frauen und Männern in denselben Berufen bei Lohnspiegel des WSI- Frauenlohnspiegel.de 

Resümee

Die Initiatorinnen für dieses Treffen, Doris Freer, Vorsitzende des Facharbeitskreises, und Magdalena Kowalczyk, Regionalagentur NiederRhein, sind sich mit den Teilnehmenden einig: „Mit dem Besuch der Gastreferentinnen, über den wir uns im Facharbeitskreis sehr freuen, setzen wir den intensiven Dialog zu wichtigen arbeits- und gleichstellungspolitischen Themen in der Region NiederRhein fort.“

„Die Optimierung der Berufstätigkeit von Frauen auf allen Ebenen fördert entscheidend die regionale Zukunftsgestaltung“, so Magdalena Kowalczyk. So ist die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen ein Bestandteil der Landesinitiative „Faire Arbeit - Fairer Wettbewerb" im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales.

Abschließend weist Dr. Jens Stuhldreier, Leiter der Regionalagentur NiederRhein darauf hin, dass das Bundesfamilienministerium an seinem Vorhaben eines sogenannten Entgelttransparenzgesetzes festhält. „Unternehmen ab 500 Beschäftigten sollen künftig verpflichtet werden, Maßnahmen zur Gleichstellung und die Entgeltstruktur offenzulegen. Ein individueller Auskunftsanspruch soll für Transparenz sorgen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen erfahren, nach welchen Kriterien ihre Tätigkeit eingestuft wird. Ob dieses Vorgehen tatsächlich zu einer Schließung des Gender Pay Gaps beiträgt, bleibt abzuwarten.


Info-Box

Equal Pay Day

Der "Equal Pay Day" markiert im Kalender symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr 21 Prozent in Deutschland betrug. Davor waren es 21,6 Prozent. Es ist jener Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu kommen. 2016 findet der „Equal Pay Day“ am 19. März statt.

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 16. März 2016)

Unbereinigter Gender Pay Gap – bereinigter Gender Pay Gap

Gender Pay Gap ist der Fachbegriff für Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern. Dabei stehen zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Ausrichtung zur Auswahl: Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allgemeiner Form miteinander. Mittels des unbereinigten 'Gender Pay Gap' wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch Faktoren wie ungünstige Zugangschancen von Frauen in bestimmten Berufen oder die Arbeit in einer bestimmten Branche, Karrierestufen, Teilzeitbeschäftigung etc. verursacht wird. Demgegenüber misst der bereinigte Gender Pay Gap den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien. So errechnete sich im Jahr 2010 ein bereinigter Gender Pay Gap von sieben Prozent.

 

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 16. März 2016)

 

Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland: Gender Pay Gap bei 21 %

Das erste Mal seit 2009 hat sich im Jahr 2015 der unbereinigte Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland um einen Prozentpunkt verringert, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Equal Pay Day bekannt gab. Frauen verdienten mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 16,20 Euro 21 Prozent weniger als Männer (20,59 Euro). Nach wie vor bestehen deutliche Unterschiede zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern. So betrug 2015 der unbereinigte Gender Pay Gap im früheren Bundesgebiet 23 %, während er in den neuen Ländern bei 8 % lag.

 

(Quelle: Statistisches Bundesamt, 16. März 2016)

 

Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Nordrhein-Westfalen: Gender Pay Gap bei 22 %

Mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 16,51 Euro verdienten Frauen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2015 rund 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (21,07 Euro). Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als statistisches Landesamt anlässlich des internationalen Aktionstages für die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen mitteilte, hat sich der prozentuale Verdienstunterschied in den vergangenen sieben Jahren kaum verändert.

(Quelle: IT.NRW, 18. März 2016)

 

 

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 Foto: Stadt Duisburg