Regionalisierung / Regional Governance

Diskussionen zu Region und Regionalentwicklung sind aktuell sehr dynamisch. „Die Region" ist en vogue, dies zeigt sich beispielsweise in immer wieder neuen Regionalentwicklungsinitiativen (vgl. dazu aktuell den Formatierungsprozess „Metropolregion Rheinland") als auch in dem 25-jährigen Jubiläum der regionalisierten Landesarbeitspolitik.

Wenn vom regionalen Bezug die Rede ist, so ist zumeist ein Referenzmodell gemeint, das wie folgt charakterisiert werden kann:

Die Abgrenzung bzw. Etablierung eines Bezugssystems „Region" ist ein variabler, sich verändernder Prozess, in dem, je nach Perspektive des Betrachters, ganz bestimmte Interessenlagen und Ziele zum Ausdruck kommen. Region ist also an sich nicht existent, sondern muss immer wieder insbesondere bei der Umsetzung von Projektinitiativen kommunikativ erzeugt und damit konstruiert werden. Somit ist Region ein sozial-ökonomisches Wirkungsfeld bzw. ein räumlicher Kooperations- und Interaktionszusammenhang mit spezifischen ökonomischen, sozialen und politischen Netzwerken, Institutionen und Kommunikationskanälen. Dabei ist die Region sowohl wirtschaftlicher Handlungs- und Kooperationsraum als auch sozialer und ökologischer Lebensraum, kultureller Identifikationsraum und politischer Entscheidungs- und Regulationsraum.

Die Bedeutsamkeit von Regionen lässt sich exemplarisch an verschiedenen Gründen festmachen: Im internationalen Wettbewerb sind sie besser wahrnehmbar. Die schwierige Finanzlage in vielen Kommunen ist besser zu bewältigen, wenn Kommunen zusammenarbeiten. Viele fachliche Aufgaben sind auf der Ebene der Städte kaum noch lösbar (Verkehr, Tourismus, Energietrassen etc.). Netzwerke und Cluster machen an den Stadtgrenzen nicht halt. Flächen können durch kommunale Kooperation effizienter entwickelt und der Flächenverbrauch kann reduziert werden. Die Lösung demografischer Probleme ist eher in regionalen Handlungsansätzen möglich. Und nicht zuletzt lassen sich ökonomische Strategien des Landes eher auf einige Regionen als auf zahlreiche Städte und Gemeinden anwenden und umsetzen. Der Einsatz öffentlicher Mittel ist zielgerichteter und effektiver.

Deswegen stärkt die Landesregierung die Regionen, um ihre Potenz im internationalen Standortwettbewerb auszubauen und sie als feste Partner der Arbeits- und Wirtschaftspolitik des Landes zu etablieren.

Ein Partner muss Mitsprachemöglichkeiten haben, sonst wird er sich seiner Aufgabe nicht mit Engagement widmen. So muss auch Regionalpolitik gesehen werden. Sie soll Regionen im Sinne eines „Regional Governance-Konzepts" - verstanden als verstärkte Teilhabe der Regionen an staatlichen Entscheidungen - mitnehmen. Für Land und Regionen muss eine Win-Win-Situation entstehen. Die Landesregierung möchte in diesem Sinne vom regionalen Wissen profitieren und dieses in die Landespolitik implementieren. Natürlich ist es auch ihr Interesse, arbeits- und wirtschaftspolitische Ziele und Strategien mit Hilfe der Regionen umzusetzen. Andererseits sollen Verfahren und Projekte helfen, spezifische Entwicklungsprozesse, die eine Region für sich als prioritär erachtet, dort zur Entfaltung zu bringen.

Ausdruck einer kooperativen Regionalpolitik ist z. B. nicht zuletzt ein intensiver und regelmäßiger Dialog mit den Regionen, wie zum Beispiel den im Halbjahresturnus stattfindenden Treffen der regionalen Entwicklungsorganisationen mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums unter Leitung des Staatssekretärs.

Die Aufgabe, das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW in arbeitsmarktpolitischen Fragen enger an die Regionen im Land anzubinden, übernehmen in allen 16 Regionen im Land die Regionalagenturen.

Mit dem Ziel, Menschen in Arbeit zu bringen sowie Beschäftigung und Ausbildung in der Region zu sichern, informieren die Regionalagenturen über die Zielsetzungen und Förderinstrumente des Landes und der Europäischen Union und unterstützen Projektträger bei der Antragstellung, Entwicklung und Umsetzung regionaler Projekte der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung.

Die Regionalagentur ist Anlaufstelle für alle regionalen Arbeitsmarktakteure, die sich gemeinsam in und für die Region engagieren wollen: Sie moderiert und koordiniert gemeinsame Aktivitäten zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden, Bildungsträgern und Unternehmen in den einzelnen Förderprogrammen unterstützt den Aufbau von Kooperationen und Netzwerken zu aktuellen Themen der Arbeitsmarktpolitik und entwickelt gemeinsame Strategien beispielsweise zur Bewältigung des demografischen Wandels oder zur Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit in der Region.

Handbuchartikel "Aufsatz zur regionalisierten Arbeits- und Strukturpolitik des Landes NRW", Dr. Jens Stuhldreier

Dokumentation 25 jähriges Jubiläum 2015 mit Fotos und youtube-Clips (folgt noch)